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EINE INITIATIVE EVANGELISCHER MISSIONSWERKE UNTER DEM DACH DES EVANGELISCHEN MISSIONSWERKS IN DEUTSCHLAND (EMW)

Wie eng war die Verbindung von Mission und Kolonialismus?

Die gab es tatsächlich – allerdings sollte man sich vor Vereinfachungen und Verallgemeinerungen hüten. Die koloniale Eroberung aus Europa und später Nordamerika betraf fast die ganze Welt und verlief nicht überall nach dem gleichen Muster.

Sicher ist, dass das Wort Mission erst nach dem Jahr 1500 geprägt wurde. Damals gab Papst Alexander VI. den Königen von Portugal und Spanien das Recht, die von Kolumbus neu entdeckten Gebiete in Besitz zu nehmen, sofern sie die dortigen Völker im katholischen Glauben unterweisen würden. Wie diese "Unterweisung" dann geschah – oft als "Evangelisierung mit Feuer und Schwert" bezeichnet – ist ein dunkles Kapitel der Missionsgeschichte, das von Bartholomé de las Casas schon früh angeprangert wurde. Allerdings sollte man auch hier genau hinsehen, denn die Gewalt gegen die Ureinwohner ging weniger von den Missionaren – Dominikaner, Franziskaner und Jesuiten – aus, sondern von den entsandten Truppen der Eroberer. Aber die Missionare sind nicht dagegen eingeschritten und haben sich so mitschuldig gemacht.

Dieses Muster der Parallelität von kolonialer Besitzergreifung und früher Mission setzte sich in der Folgezeit auch in anderen Weltgegenden fort. Es wäre allerdings verfehlt anzunehmen, Politik und Mission hätten eine gemeinsame Strategie abgesprochen. Es gab Gegenden, in die erst Jahrzehnte nach den ersten Missionaren europäische Mächte vordrangen – oft genug zum Ärger der Missionare, die über das Vorgehen der Eroberer entsetzt werden. In anderen Regionen kamen zuerst die Kolonisatoren und die Missionare folgten ihnen – dankbar für die Sicherheit, die von den "Schutztruppen" garantiert wurde.

Gemeinsam war den kolonisierenden Staaten und den Missionen, dass sie keine Spur eines Zweifels an ihrem jeweiligen Sendungsauftrag hegten. Die Staaten, dass sie mit ihren Eroberungen "die Wilden zivilisieren" müssten (und natürlich deren Reichtümer ausbeuten dürften) – und die Missionen, dass ihr Auftrag, das Evangelium zu verkünden, unabweisbar sei (und dass man dazu auch unappetitliche Allianzen eingehen müsste). Es dauerte lange, bis sich unter Missionaren daran die ersten Zweifel regten. Auslöser war häufig ein wachsendes Selbstbewusstsein der zu Christen gewordenen ehemaligen "Heiden".

Zwischen den Missionen und den aus ihnen hervorgegangenen Kirchen sind diese dunklen Kapitel der Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Ende der Kolonialzeit intensiv aufgearbeitet worden - intensiver als so manches Kapitel der Kolonialgeschichte zwischen den Staaten. Die Partnerkirchen im globalen Süden haben den Missionen und Kirchen, manchmal nach einem schmerzhaften Prozess des Dialogs, vergeben und betrachten die Missionsgeschichte heute häufig in einem milderen Licht als die selbstkritischen Europäer.

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