Gerechtigkeit in einer von Rassismus geprägten Welt
Als Kind ist sie überzeugt: Vielfalt verbindet Menschen. Erst als Laquitissa Tseco selbst auf Grund ihrer Hautfarbe Diskriminierung erlebt, beginnt dieses Bild zu bröckeln. Heute fragt sie, wie aus Vielfalt wieder eine Brücke statt einer Mauer werden kann – und welche Verantwortung Kirche dabei trägt. Warum Rassismus verlernt werden muss und christlicher Glaube zu Solidarität und Gerechtigkeit aufruft, darüber schreibt Laquitissa Tseco in ihrem Blogbeitrag.
Wir leben in einer Welt, in der Vielfalt bis zu einem gewissen Grad zu Spaltung führt und wie eine Mauer wirkt. Und das, obwohl sie eigentlich als Brücke dienen sollte, um Menschen trotz ihrer Herkunft, ihres Hintergrunds, ihrer Kultur, Traditionen, Glaubensrichtungen, Weltanschauungen und so vieler weiterer Aspekte zu vereinen.
© Foto: Markus Spiske/unsplash | Laquitissa Tseco: „Niemand wird als Rassist*in geboren.“
In was für einer Welt leben wir?
Als Afrikanerin, geboren und aufgewachsen in Mosambik, verbrachte ich meine Kindheit in einem Umfeld, in dem ich dachte, die Welt sei schön, aber damit ihre Schönheit zum Vorschein käme, müsste man daran arbeiten. Und ich dachte, alle würden diesbezüglich einander verstehen und solidarisch miteinander sein. Ich hatte keine Ahnung, was wirklich vor sich ging.
Als ich klein war, begannen wir als Familie, in die Kirche zu gehen, und ich hörte die Bibelstellen, die Gottes Liebe zur Menschheit durch Jesus Christus betonten, den Sohn, der am Kreuz starb, um uns von der Sünde zu erlösen. Die schönen Predigten, die ich hörte, sind mir bis heute im Gedächtnis geblieben.
Als ich älter wurde, erlebte ich in der Schule und sogar zu Hause Diskriminierung und ich begann, die Dinge anders zu sehen – einfach, weil meine Haut dunkler ist. In diesem Moment begann sich meine Vorstellung von einer schönen Welt zu wandeln, als ich mir Fragen stellte wie: In was für einer Welt leben wir, in der Menschen anders behandelt werden, nur weil sie so sind, wie sie sind? Als hätten sie sich dafür entschieden. – Ich habe nie jemanden danach gefragt, sondern beschloss, diese Gedanken für mich zu behalten.
Einheit trotz Vielfalt
Angesichts dieser Realität dachte ich, dass sich alle Menschen diskriminierend verhalten, bis ich die Gelegenheit bekam, als Steward* mit über 100 Christ*innen aus verschiedenen Teilen der Welt zusammenzuarbeiten. Diese Begegnung zeigte mir, dass wir trotz unserer vor allem ethnischen Unterschiede ein Leib in Christus sind, und mit der Zeit bekam ich immer mehr Gelegenheiten zu lernen, dass es möglich ist, dass Menschen so zusammenleben können, wie es in Psalm 133,1 beschrieben wird: „Siehe, wie fein und lieblich ist’s, wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen!“ Dieser Bibelvers erinnert uns an die Schönheit der Einheit. Der Psalm unterscheidet nicht nach Hautfarbe, sozialem Status oder Herkunft. Sein Blick richtet sich auf die Gemeinschaft der Geschwister. Es ist ein Aufruf an alle Geschwister in Christus, die Einheit anzunehmen. Und Einheit anzunehmen bedeutet, unsere Unterschiede zu akzeptieren. Es bedeutet, Vielfalt anzunehmen.
Rassismus verlernen
Rassismus oder jede andere Form der Diskriminierung kann sehr schmerzhaft sein, den Opfern das Gefühl der Zugehörigkeit zu einem bestimmten Ort nehmen und lebenslange Traumata, Wut, Angst und viele andere emotionale Probleme verursachen.
Leider ist Rassismus auf der ganzen Welt verbreitet, und wir sollten uns nun fragen: Wie können wir Gerechtigkeit für alle erreichen? Wie können wir diese Welt dazu bringen, als Brücke zu fungieren, die verbindet, und nicht als Mauer, die trennt?
Ich gehe von der Vorstellung aus, dass Rassismus anerzogen wird. Niemand wird als Rassist*in geboren. Es wird uns beigebracht. Als Christ*in ist mir klar, dass nicht Gott den Rassismus geschaffen hat, sondern wir. Der Geist der Überlegenheit ist stärker als Liebe und Einheit; daher werden wir erst dann eine andere Welt gestalten können, in der Würde für alle gilt und die Hautfarbe nur ein Detail und keine Definition dessen ist, wer jemand ist, wenn wir das, was uns über Rassismus beigebracht wurde, verlernen und neue Wege finden, Vielfalt anzunehmen.
Liebe diskriminiert nicht
Wir werden Gerechtigkeit für alle erst erreichen können, wenn wir das Trennende überwinden, anerkennen, dass es rassistische Diskriminierung gibt und wir dagegen etwas tun. Denn wir alle sind ein Leib. Jede*r verdient das Beste. Wenn jede*r mehr über die Geschichten und Kulturen anderer lernt, glaube ich, dass es mehr Toleranz geben wird und Veränderungen stattfinden werden. Wir müssen als Menschen zusammenkommen, uns mit der Natur und miteinander versöhnen, voneinander lernen, alte Gewohnheiten ablegen und neue, friedliche Wege des Lebens, der Liebe und der Akzeptanz von Vielfalt erlernen.
Daher ist es entscheidend und wichtig, dass die Kirche und andere christliche Organisationen ihre Stimme erheben und sich gegen Rassismus und jede Form von Diskriminierung aussprechen. Es ist höchste Zeit, dass wir uns für Veränderung einsetzen, solidarisch miteinander sind, uns an den Händen halten und gemeinsam auf eine faire, gerechte und tolerante Welt zugehen. „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert: nichts als Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.“ (Micha 6,8) Denn Gott ist Liebe, und Liebe tut nicht weh und diskriminiert nicht.
Laquitissa Tseco
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