Willkommen, sicher, wertgeschätzt
Was macht eine kinderfreundliche Kirche aus? Es geht um mehr als nur eine Sonntagsschule oder eine Kinderecke. Es geht um eine Geisteshaltung, ein Engagement und eine Art, Kirche zu sein, bei der Kinder im Mittelpunkt unseres Handelns stehen, findet Boneta Neethling in ihrem Blogbeitrag.
Im Markusevangelium (10,13–16) heißt Jesus Kinder willkommen, umarmt sie und segnet sie. Dieses Bild ist nicht nur eine Geschichte, sondern eine Berufung. Eine kinderfreundliche Kirche zu sein bedeutet, genau diese Herzlichkeit widerzuspiegeln und Räume zu schaffen, in denen Kinder sich gesehen, sicher, wertgeschätzt und geliebt fühlen.
© Foto: Yosi Prihantoro/unsplash | Eine kinderfreundliche Kirche ist nicht die Verantwortung weniger Einzelpersonen.
Eine Kirche ohne Kinder ist unvollständig. Kinder sind nicht nur die Zukunft der Kirche; sie sind die Gegenwart. Sie bringen Energie, Ehrlichkeit, Kreativität und tiefe spirituelle Einsichten mit. Wenn wir Raum für Kinder schaffen, investieren wir nicht nur in die Führungskräfte von morgen. Wir erkennen ihre Rolle als aktive Teilnehmer*innen am heutigen Leben der Kirche an.
Kinder sollten die Kirche als einen Ort der Freude, der Zugehörigkeit und des Wachstums erleben – einen Ort, an den sie zurückkehren möchten, nicht aus Pflichtgefühl, sondern weil sie sich dort zu Hause fühlen. Eine kinderfreundliche Kirche zu sein bedeutet, einen ganzheitlichen Ansatz zu verfolgen. Es geht darum, Kinder geistlich, emotional, sozial und körperlich zu fördern und dabei ihre Würde anzuerkennen und zu schützen.
Diese Vision ist einfach, aber wirkungsvoll: Hört den Kindern zu, nehmt sie ernst und gestaltet das kirchliche Leben gemeinsam mit ihnen. Ihre Stimmen zählen. Ihre Erfahrungen zählen. Wenn Kinder einbezogen werden, wird die ganze Kirche stärker. Ein hilfreicher Weg, eine kinderfreundliche Kirche zu verstehen, besteht darin, an fünf miteinander verbundene Bereiche zu denken: Umgebung, Atmosphäre, Gottesdienst, Umgang mit der Bibel und Schutz. Zusammen bilden sie ein starkes Fundament.
Im Mittelpunkt stehen Beziehungen
Kinder nehmen Räume wahr. Eine kinderfreundliche Kirche achtet auf die räumliche Umgebung. Sind die Räume einladend? Gibt es Farben, Bilder und kreative Bereiche? Sind die Einrichtungen sicher und sauber? Einfache Veränderungen können einen großen Unterschied machen: kindgerechte Möbel, gute Beleuchtung, Zugang zu Wasser und sichere Spielbereiche. Wenn sich Kinder in einem Raum wohlfühlen, haben sie das Gefühl, dazuzugehören.
Wichtiger als das Gebäude ist die Atmosphäre. Kinder blühen dort auf, wo sie sich respektiert, gehört und wertgeschätzt fühlen. Eine kinderfreundliche Kirche verwendet eine freundliche und einbeziehende Sprache und fördert eine Kultur der Herzlichkeit und Geduld. Im Mittelpunkt stehen die Beziehungen zwischen Kindern und Lehrkräften, unter Gleichaltrigen und innerhalb der gesamten Gemeinde. Wenn diese Beziehungen auf Vertrauen beruhen, fühlen sich Kinder sicher genug, sie selbst zu sein.
Kinder sind im Gottesdienst keine Zuschauer*innen, sondern Teilnehmende. Eine kinderfreundliche Kirche lädt sie ein, sich durch Lieder, Gebete, Geschichtenerzählen und einfache Mitmachaktionen einzubringen. Der Gottesdienst sollte ansprechend und zugänglich sein. Lieder mit Gesten, interaktive Gebete und kreativer Ausdruck helfen Kindern, auf eine für sie verständliche Weise eine Verbindung zu Gott herzustellen. Auf diese Weise wird der Gottesdienst zu einem freudigen und gemeinsamen Erlebnis.
Nicht nur informieren, sondern auch inspirieren
Kinder sind von Natur aus neugierig. Sie stellen tiefgründige Fragen und suchen nach Sinn. Eine kinderfreundliche Kirche reagiert darauf, indem sie Bibelgeschichten auf ansprechende, klare und relevante Weise vermittelt. Geschichten können durch Theater, Bilder, Rollenspiele, Spiele und Diskussionen erkundet werden. Das Ziel ist nicht nur zu informieren, sondern auch zu inspirieren. Kinder sollen sich in diesen Geschichten wiedererkennen und entdecken können, wie der Glaube mit ihrem eigenen Leben zusammenhängt.
Sicherheit ist unerlässlich. Eine kinderfreundliche Kirche ergreift aktive Maßnahmen, um Kinder vor jeglicher Form von Schaden zu schützen – sei es körperlich, emotional, psychisch oder digital. Dazu gehören klare Richtlinien, geschulte Leitende und sichere Meldesysteme. Es bedeutet auch, ein Umfeld zu schaffen, in dem Kinder sich trauen, sich zu äußern, und wissen, dass ihnen Gehör geschenkt wird. Beim Schutz geht es nicht nur darum, Schaden zu verhindern; es geht auch darum, Kinder zu stärken und ihnen zu helfen, Selbstvertrauen, Selbstwertgefühl und Widerstandsfähigkeit aufzubauen.
Kinder als zentraler Bestandteil
Im Mittelpunkt einer kinderfreundlichen Kirche steht eine einfache, aber oft übersehene Praxis: das Zuhören. Kinder wissen, was sie brauchen. Sie wünschen sich einladende Räume, freundliche Leitende, einen sinnvollen Gottesdienst und die Freiheit, sich auszudrücken. Wenn wir zuhören, lernen wir. Wenn wir lernen, wachsen wir. Und wenn wir wachsen, werden wir zu einer Kirche, die die Liebe Christi deutlicher widerspiegelt.
Eine kinderfreundliche Kirche zu werden, ist nicht die Verantwortung einiger Weniger; es ist eine gemeinsame Verpflichtung. Leitende, Lehrkräfte, Eltern und die gesamte Gemeinde haben dabei alle eine Rolle zu spielen. Es erfordert Absicht, Offenheit und manchmal auch Veränderungen. Es kann Ressourcen und Schulungen erfordern. Vor allem aber erfordert es die Bereitschaft, Kinder nicht als „Nebenprodukt“, sondern als zentralen Bestandteil des Auftrags der Kirche zu betrachten.
Lasst uns eine kinderfreundliche Kirche sein
Dies ist kein einmaliges Projekt. Es ist eine Bewegung. Schritt für Schritt machen sich Gemeinden diese Vision zu eigen und entdecken ihre Wirkung. Wenn Kinder sich willkommen, sicher und wertgeschätzt fühlen, wachsen sie im Glauben, bauen Beziehungen auf und entdecken ihre Gaben. Auf diese Weise werden sie Teil einer lebendigen und dynamischen Kirchengemeinde.
Kommt! Lasst uns eine kinderfreundliche Kirche sein. Die Einladung steht. Lasst uns Gemeinden schaffen, in denen Kinder sagen können: „Ich bin hier willkommen. Ich bin hier sicher. Ich kann hier ich selbst sein. Ich kann hier wachsen.“
Denn wenn Kinder gedeihen, gedeiht auch die Kirche.
Boneta Neethling
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