Rassismus im Rückspiegel
Rassismus hat viele Gesichter. Autorin Angélique Beldner begegnete ihnen im Lauf ihres Lebens immer wieder. Mit ihrem aktuellen Buch setzt sie ihre Auseinandersetzung mit dem Thema Rassismus auf sehr persönliche Weise fort. Claudia Puschmann hat das Buch für uns gelesen. Eine Kooperation mit Eliport, dem Evangelischen Literaturportal.
© Foto: Limmat/Fallon Michael/unsplash | Rassismus im Rückspiegel, Angélique Beldner, Verlag: Limmat, ISBN: 978-3-03926-094-2
Rassismus hat viele Gesichter. Menschen, die ungeniert in die Haare von BiPoC-Personen fassen, sprachliche Mikroaggressionen, pauschalisierende Vorannahmen und Vorurteile, stereotype Darstellungen Schwarzer Menschen in Kinderbüchern, institutionelle Diskriminierung. Autorin Angélique Beldner begegnete ihnen im Lauf ihres Lebens immer wieder. Dennoch war es für die Journalistin und Fernsehmoderatorin lange undenkbar, sich öffentlich zu Rassismus zu äußern, nicht weil sie ihn nicht erfahren hätte, sondern weil sie nicht wollte, dass die Farbe ihrer Haut eine Rolle in ihrem Leben spielte.
Alltagsdiskriminierung und langsames Erwachen
Angélique Beldner wurde 1976 in einem Schweizer Dorf geboren, als uneheliche Tochter einer Dorfbewohnerin und eines Franzosen mit Wurzeln in Benin. Die Eltern hatten sich schon kurz vor der Geburt getrennt. Da die Familie im Dorf beliebt war, wurde der Gemeindeschreiber kurzerhand zum Beistand des Kindes ernannt und der jungen Mutter eine Stelle verschafft. Dass die kleine Angélique immer ungefragt berührt wurde, ihre krausen Haare angefasst oder ihre guten Schulleistungen bestaunt wurden, lächelte ihre Mutter weg.
Die Tochter brauchte sehr lange, bis sie Alltagsrassismus erkennen und ihr Bemühen um Anpassung hinterfragen konnte. Im Blick zurück auf ihre Lebensgeschichte untersucht die Autorin, wie sich die Wahrnehmung von Rassismus in der Schweiz und der Umgang damit seit den 1970er Jahren verändert haben. Geschickt verknüpft sie ihre Erfahrungen mit alltäglichen Diskriminierungen mit dem langsamen Erwachen der Schweizer Gesellschaft. Glossar, Anmerkungsapparat und Quellen- und Literaturverzeichnis komplettieren das außerordentlich lesenswerte Buch, das in keiner Bibliothek fehlen sollte.
Claudia Puschmann
mission.de dankt Eliport für die inhaltliche Kooperation.
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