Restorative Justice

Restorative Justice ist eine soziale und strafrechtliche Bewegung, deren Ursprünge mindestens bis in die 1970er Jahre zurückreichen. Es kann jedoch sein, dass viele Menschen noch nie davon gehört haben oder nicht genau wissen, was darunter zu verstehen ist. Vor diesem Hintergrund hat Howard Zehr, einer der Vordenker*innen der Bewegung, sein Buch „Restorative Justice“ (Wiederherstellende Gerechtigkeit) geschrieben. Matt Barlow hat das Buch für uns gelesen.

Restorative Justice, Howard Zehr, Verlag: Neuhaus, ISBN: 978-3-86256-202-2 © Foto: Neuhaus/Fallon Michael/unsplash | Restorative Justice, Howard Zehr, Verlag: Neuhaus, ISBN: 978-3-86256-202-2

In diesem Buch gibt Howard Zehr einen Überblick über die bisherige Geschichte der Restorative Justice Bewegung und äußert sich kritisch dazu, wie sie sich im Laufe der Zeit entwickelt und vom ursprünglichen Konzept entfernt hat. Manchmal sogar in einer Weise, die die gesamte Idee verwässert hat, sodass oft unklar geworden ist, worum es bei diesem Konzept überhaupt noch geht.

Einer der interessantesten Aspekte der Geschichte der Restorative Justice ist die Verbindung zu indigenen Praktiken sowohl in historischer als auch in heutiger Hinsicht. Dies unterstreicht den gemeinschaftlichen Aspekt der Restorative Justice im Gegensatz zu der individualisierten und staatsorientierten Konzeption von Gerechtigkeit, die heute in westlichen Rechtssystemen am weitesten verbreitet ist. Da viele Verbrechen meist gegen Menschen und nicht gegen den Staat begangen werden, tritt der Staat trotzdem als Vertreter der Opfer auf, jedoch oft ohne die Bedürfnisse und Wünsche der Opfer zu berücksichtigen. Noch weniger jedoch die Bedürfnisse von Täter*innen – insbesondere das Bedürfnis nach Wiedereingliederung in die Gemeinschaft nach der Begehung einer Straftat.

Nicht nur Strafe, sondern auch Heilung

Genau das ist der Kern der Restorative Justice: Sie stellt nicht Strafe, sondern Heilung in den Mittelpunkt. Dieses Buch zeigt, wie ein anderer Umgang mit Unrecht möglich ist:

• Opfer, Täter*innen und Gemeinschaft: Dialog statt Entfremdung
• Verantwortung statt Vergeltung: Wege zur Wiedergutmachung
• Praxisnah & inspirierend: Von Jugendstrafrecht bis hin zu schweren Verbrechen
• Immer häufiger in Deutschland: Täter*innen-Opfer-Ausgleich in allen Bundesländern

In diesem Sinne kann Restorative Justice tatsächlich als Kompass und Grundlagenwerk für ein gesünderes und ganzheitlicheres Justizsystem dienen und ermöglicht so auch einem breiteren Publikum einen Zugang zu diesem Thema.

Dr. Howard Zehr war Professor of Conflict Studies an der Eastern Mennonite University in Harrisonburg (Virginia/USA) und Direktor des Zehr Institute for Restorative Justice. Er gilt als „Großvater“ von Restorative Justice. Inzwischen hat er dieses Konzept weltweit in über 25 Ländern vorgestellt und seine konkrete Umsetzung begleitet.

Matt Barlow


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