Second-Class Citizen
Eine junge Frau kämpft gegen koloniale und patriarchale Zwänge – und für ein selbstbestimmtes Leben: In „Second-Class Citizen“ erzählt Buchi Emecheta die Geschichte von Adah, einer Igbo-Frau aus Nigeria, die sich mit Intelligenz und Entschlossenheit ihren Weg aus Armut und Fremdbestimmung bahnt. Ein bewegender, eindringlicher Roman über Mut, Selbstbehauptung und weibliche Stärke – und ein Klassiker der Schwarzen Frauenliteratur. Renate Schalück hat das Buch für uns gelesen. Eine Kooperation mit Eliport, dem Evangelischen Literaturportal.
© Foto: Blumenbar/Fallon Michael/unsplash | Second-Class Citizen, Buchi Emecheta, übersetzt von Marion Kraft, Verlag: Blumenbar, ISBN: 978-3-351-05114-3
Adah stammt aus der Volksgruppe der Igbo, die in ärmlichen und streng patriarchalischen Strukturen lebt. Mit Cleverness schafft sie eine gute Schulbildung und findet Arbeit im amerikanischen Konsulat in Lagos. Früh hat sie den Traum, ins ferne England zu gehen. Aber durch familiären Druck muss sie früh heiraten und bekommt ihr erstes Kind. Sie bleibt berufstätig und wird so zur Ernährerin der Groß-Familie ihres Ehemannes, der wiederum zur Ausbildung nach England geschickt wird. Ihm folgt sie zwei Jahre später auf eigenes Bestreben.
In London ist sie eine junge Frau im Zwiespalt eigener Ansprüche und Gefühle, traditioneller Werte Nigerias und den Anforderungen der fremden englischen Welt – eine in mehrfacher Hinsicht second-class citizen. Schmerzlich wird bewusst, wie tief im Inneren koloniale und patriarchale Gewalt, Unterdrückung und Fremdbestimmung verwurzelt sind. Doch Adah findet ihren Weg, ebenso wie die Autorin selbst, die ein umfangreiches literarisches Werk hinterlassen hat. Der persönliche und emotionale Erzählstil ist mitreißend und bringt uns der Autorin sehr nahe. Für alle Leser*innen geeignet. Sehr empfehlenswert.
Buchi Emecheta gilt als Urmutter der Schwarzen Frauenliteratur. 1944 wurde sie in Laos in Nigeria geboren. Ihr Roman „Second-Class Citizien” stammt bereits aus dem Jahr 1974. Ihren literarischen Durchbruch hatte Emecheta dann 1979 mit ihrem Roman „The Joys of Motherhood“ (deutsch: „Zwanzig Säcke Muschelgeld“, 1983). Sie verstarb am 25. Januar 2017 in London.
Renate Schalück
mission.de dankt Eliport für die inhaltliche Kooperation.
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