Wäre Jesus Klimaaktivist?
Klimaproteste, Kirchenbanner und gesellschaftliche Debatten zeigen: Die ökologische Krise fordert auch Theologie und Kirche heraus. Der Neutestamentler Ruben Zimmermann nimmt diese Herausforderung ernst und verbindet biblische Exegese mit aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen. Sein Buch eröffnet neue Perspektiven auf Jesus, Nachfolge und Schöpfungsverantwortung – fundiert, kritisch und ermutigend zugleich. Peggy Mihan hat es Buch für uns gelesen.
© Foto: Evangelische Verlangsanstalt/Fallon Michael/unsplash | Wäre Jesus Klimaaktivist?, Ruben Zimmermann, Verlag: Evangelische Verlangsanstalt, ISBN: 978-3-374-07877-6
Spätestens seit sie auf Bannern an Kirchen oder bei Demonstrationen zu sehen ist, wird die Frage „Wäre Jesus Klimaaktivist?“ von Klimaaktivist*innen an Kirche und Theologie herangetragen. Ruben Zimmermann stellt sich dieser Frage ernsthaft, vielschichtig, kritisch und theologisch fundiert. Dabei hat er die dramatische Lage unserer Welt im Blick und belegt sie mit Fakten aus der Wissenschaft, etwa dem Sachstandsbericht des Weltklimarats von 2023.
Deutlich unterscheidet er zwischen dem „historischen“ und dem „biblisch erinnerten“ Jesus. War Jesus Bußprediger, apokalyptischer Prophet oder politischer Akteur? Was bedeutet Nachfolge im Kontext der Deutung, dass Jesus und in ihm Gott der Schöpfer und Retter der Schöpfung ist?
Zwischen Hoffnung und Trost
Auch die Komplexität der Wahrheitsfrage greift der Autor auf. Wie steht es um die Sprachfähigkeit von Christ*innen angesichts einer Welt, in der das Verbreiten von Unwahrheiten zum politischen Kalkül gehört? Zimmermann sieht die Kirche zwischen den Polen von Hoffnung und Trost einerseits und prophetischer, mahnender, schonungsloser – mitunter verstörender – Wahrheitsrede andererseits.
Exegetisch fundiert behandelt er den Aspekt der Umkehr. Das letzte Drittel führt die Leser*innenschaft tiefer ins Johannesevangelium – unverkennbar ein Spezialgebiet des Autors. Spannend und anregend ist die Einordnung der Rolle der Tiere in die Theologie des Johannes.
Zimmermanns Buch ist ermutigend. Es lädt ein, sich auf biblische Bilder und Visionen einzulassen, die Menschen immer wieder zum Handeln bewegt haben – und sich der Frage zu stellen: Was würde Jesus heute tun?
Ruben Zimmermann ist Pfarrer und seit 2009 Professor für Neues Testament an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Johannes Gutenberg-Universität Mainz sowie Research Associate an der University of the Free State in Bloemfontein, Südafrika. Als Mitbegründer des Forschungszentrums „Ethik in Antike und Christentum“ widmet er sich den Brückenschlägen zwischen biblischer und gegenwärtiger Ethik, insbesondere der Schöpfungs- und Klimaethik.
Peggy Mihan
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